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Shivling

 

Dezember 2007. Es steht fest, nächsten Frühling reisen wir nach Indien. Unser Ziel wird der 6543 Meter hohe Shivling in Norden von Indien sein, im sogenannten Gharwal Himalaya. Mit von der Partie sind der Routinier Wellig Diego und Nellen Michi, der junge Wilde, welcher auch schon manche Auslandreise und Erfahrung in grossen Höhen hinter sich hat. Beide sind Bergführerkollegen aus Blatten-Belalp und gute Freunde von mir.
Den ganzen Winter hindurch wird gemeinsam trainiert. Im Hinterkopf ist dieser formschöne, pyramidenartige Gipfel. Shivling, auch Matterhorn Indiens genannt.

 
 

Im Mai 2008 geht es los. Wir fliegen nach Neu Delhi, per Bus geht die Reise weiter in den Norden des Landes. Über Rishikesh, Utarkashi nach Gangotri. Steile Täler und wilde Flüsse prägen diesen Teil des Landes. Am nächsten Tag gehen wir zu Fuss weiter in Richtung Basislager. Nach zwei Tagen Fussmarsch erreichen wir ein Hochplateau auf 4300 Meter. Hier stellen wir unsere  Zelte auf. Leider fühle ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht besonders gut. Zusehends verschlechtert sich mein gesundheitlicher Zustand. Nach einigen Tagen greifen meine Partner Diego und Michi zu drastischen Massnahmen und brauen für mich eine ‘‘medizinisch korrekte‘‘ Mixtur, welche mir wieder auf die Beine hilft. Nach zwei Tagen Ruhe steigen wir zusammen hoch. Auf 5100 Metern wird unser erstes Lager errichtet. Während der Nacht hat es ein wenig geschneit, trotzdem entscheiden wir unser Material zu packen und weiter aufzusteigen. Mit schweren Rucksäcken, watend durch den tiefen Schnee. Das Gelände wird zusehends steiler, wir sichern einander. Auf einem Grat denken wir einen passenden Biwakplatz gefunden zu haben und schlagen unser Zelt auf 5500 Metern über Meer auf. Einsetzender Schneefall zwingt uns in das kleine Zelt. Eine Kleinigkeit essen, Wasser kochen für den nächsten Tag und ab in den Schlafsack. Die Nacht dauert nicht lange. 24.00 Uhr, der Wecker klingelt. Schnell einen Riegel essen, Hosen, Schuhe, Jacke, Gurt und Helm, natürlich alles sitzend anziehen, und raus in die Finsternis. Trotz Neuschnee kämpfen wir uns den Grat hoch, immer weiter ins unbekannte Terrain. Auf dem Grat, vor Lawinen sicher, hört man immer wieder spontan abgehende Lawinen. Es wird zu gefährlich. Uns bleibt nur noch der Abstieg. Zurück zum Zelt, schnell etwas trinken und hinunter bis ins Basislager. Hier erhoffen wir uns etwas Ruhe und Erholung.
Die Wetterprognosen für die nächsten zwei Tage sprechen aber gar nicht für eine Pause. Zwei Tage schön, anschliessend schlecht. Unsere letzte Chance. Am nächsten Tag steigen wir erneut und direkt ins Lager auf 5500 Meter auf. Langsam und möglichst wenig Energie verpuffen, das ist die Devise.
3.00 Uhr der Wecker klingelt, kurz ein Blick nach draussen, ein äusserst knappes Frühstück und hinaus in den pfeifenden Wind. Wir kommen gut voran und steigen den felsdurchsetzten Grat immer höher. Es ist kalt und der Wind ist auch nicht gerade freundlich. Vor uns türmt sich ein 70 Meter  hoher, senkrechter Gletscherabbruch auf. Voller Zuversicht steigen wir in das blaue, harte Gletschereis ein. Nur mit roher Gewalt dringen die Eisgeräte in das Eis ein, so dass man daran hochsteigen kann.
Nach der kräfteraubenden Kletterei im Steileis folgt ein Gletscherplateau. Hier erwartet uns harte Spurarbeit.  Nebelfetzen werden vom Wind um den Gipfel herumgetrieben und zeigen die Spitze nur noch selten. Vom imposanten Gipfelanblick angetrieben steigen wir über das Plateau in den Gipfelgrat ein. Die Schritte werden zusehends langsamer. Trotzdem vergewissert sich unser Blick bei jedem Schritt den nötigen Abstand zur ausladenden Wächte zu behalten.
Es geht ans Eingemachte. Die letzten Reserven werden angezapft. Erst als es nicht mehr weiter hoch geht, realisiere ich, dass wir wirklich den Gipfel erreicht haben. Überglücklich wird gratuliert. Ich vergesse die erlebten Strapazen und Rückschläge unserer bisherigen Reise.
Eine kurze Pause und gleich beginnt der Abstieg. Obwohl wir müde sind, kommen wir gut voran und steigen ohne Zwischenfälle den gleichen Weg hinunter. An einem Firnanker über den Gletscherabbruch abseilen und weiter den Grat hinunter bis ins Lager auf 5500. Nach 18 Stunden harter Arbeit trinke ich ein wenig Tee und lege mich gedankenversunken und müde in den Schlafsack.
Am nächsten Tag wird alles zusammengeräumt und wir steigen hinunter ins Basislager, wo wir herzlich von unseren Köchen empfangen werden.
Zwei Tage bleiben wir noch im Basislager, bevor wir unsere Heimreise antreten…
Rückblickend habe ich sehr viel auf dieser Expedition gelernt; die Erlebnisse am Berg und auf der Reise, die Mentalität der Leute und die einzigartige Bergwelt hat mich sehr geprägt. Eine Reise ins Ungewisse und voller Abenteuer die ich sicher nie vergessen werde.