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Patagonien

 

Jahreswechsel 2009/2010. Ich sitze mit Marcel Schenk, einem Bergführerkollegen aus Pontresina, im Flugzeug Richtung Südamerika und wir stossen gemeinsam auf ein frohes neues Jahr an. Die Reise führt nach Patagonien. Genauer gesagt an den Fuss des Cerro Torre und Fitz Roy nach El Chaltèn.

 
 

Gleich am ersten Tag unserer Ankunft demonstriert der patagonische Wettergott seine Macht und begrüsst uns mit Regen und Wind. Wir lassen uns jedoch nicht einschüchtern und tragen eine erste und später eine zweite Ladung Material in das Base Camp, ins sogenannte Campo de Agostini. Müde von der ganzen Schlepperei kriecht jeder in sein Zelt und träumt vom berühmtberüchtigten Cerro Torre und seinen legendären Abenteuergeschichten…
Durch die hohen Bäume ist unser Lager gut vor dem wütenden Wind geschützt. Mit ein Grund warum sich hier schon in der Vergangenheit so viele Bergsteiger tummelten.
In der Nacht hat es tief hinunter geschneit, der Wind pfeift und die Berge sind in dichte Wolken gehüllt. Nichts desto trotz versuchen wir einen Teil unserer Bergausrüstung näher an den Cerro Torre zu bringen, um im Falle eines Schönwetterfensters für den Aufstieg bereit zu sein. Doch schon nach kurzer Zeit müssen wir chancenlos kapitulieren und werden sogar von einer tobenden Windböe zu Boden geworfen. Kurzum deponieren wir das Material auf dem Gletscher. Unter einem soliden Felsblock, ummauert mit grossen Steinen, soll unser Material vor Wind und Wetter geschützt bleiben. Schleunigst kehren wir ins Camp zurück.
Die nächsten Tage bringen kein gutes Wetter, immer und immer wieder schneit oder regnet es und dazu weht ein permanent aggressiver Wind. Wir verbringen die Zeit mit lesen, kehren einige Male ins Tal zurück und ruhen uns aus. Nach einer Woche haben wir den Gipfel des Cerro Torre immer noch nicht gesehen. Wir werden ein wenig kribblig.
Endlich, die Wolkendecke reisst auf und zum ersten Mal sehen wir die Granitriesen ringsum. Eindrücklich, wie klein wir doch sind! Getrieben vom majestätischen Gipfelanblick, rennen wir nach hinten ins Torre Valley. Packen unser Material unter dem Stein hervor und steigen munter höher. Immer im Blick, der Cerro Torre und die Nebelfetzten welche der Wind verspielt um den weissen Gipfel treibt. Langsam werden auch wir von Windböen erfasst, können aber im Windschatten einer Moräne noch einige Höhenmeter gewinnen. Hier wird erneut unser Material deponiert, windsicher verstaut und dann nichts wie weg hier.
Wieder folgt eine längere Schlechtwetterphase. Ausharren im Zelt und viel Mate trinken ist angesagt. Es schneit bis ins Lager. Der Schnee schmilzt jedoch rasch, da er von starken Regenfällen weggespült wird. Für uns bedeutet dies, dass in den nächsten Tagen, aufgrund der Schneemassen in der Höhe, am Berg nichts laufen wird und so steigen wir für eine Nacht ins zwei Stunden entfernte El Chaltèn ab. Das Wetter bleibt schlecht und uns rennt die Zeit davon. Besserung ist auch nicht in Sicht.
Bei der nächsten Wetterbesserung: Vergeblich versuchen wir auf den Col de la Patienca zu gelangen, auch hier zeigt uns der Wind wer in Patagonien Herr und Meister ist. Vorsichtshalber wird das Material hinunter genommen. Für den Cerro Torre wird es wirklich knapp, es müsste eher ein Wunder geschehen, dass wir bei den aktuell herrschenden Verhältnissen in der kurzen Zeit die uns verbleibt, noch eine Chance zum Aufstieg bekommen.
So schleppen wir unser gesamtes Material nach El Chaltèn hinunter um die letzten Tage unserer Südamerikareise zu geniessen.
Wir übernachten im Centro Alpino. Freunde berichten von einem letzten Schönwettertag während unserem Aufenthalt. Für uns gibt es nur eines: ein Gipfel muss her!
Um 23:00 Uhr starten wir in El Chaltèn. In der nächtlichen Finsternis durch das Torre Valley bis an den Fuss der Aguija del S. Es wird Tag, noch immer liegt der Schnee der vergangenen Tage bis hinunter auf den Gletscher. Zielstrebig stapfen wir durch eine eingeschneite Rinne bis an einen Grat. Hier beginnt die Kletterei. Der Schnee macht die Sache nicht gerade leichter, abwechselnd klettert jeder eine Seillänge. Länge um Länge dem Gipfel entgegen. Der Wind hat indes wieder an Stärke gewonnen. Nur noch eine Seillänge trennt uns vom Gipfel. Ungeduldig, fast schon nervös, die letzten Klettermeter Granit überwindend. Und da stehen wir auf dem Gipfel. Gratulieren, obwohl ein weinendes Auge über das Tal zum Cerro Torre hinüberschaut.
Ein letztes Mal laufen wir das Tal hinaus bevor wir unsere Rückreise antreten.